Emissions- und Reflexionsnebel

Emissionsnebel sind Wolken aus interstellarem Gas, die zumeist purpurrotes und blaues Licht emittieren. Diese Nebel werden durch das UV-Licht sehr heißer Sterne ionisiert, d.h. ein oder mehrere Elektronen werden aus der Elektronenhülle um den Atomkern entfernt. Die Rekombination (wenn ein Elektron wieder in die Hülle eingelagert wird) erfolgt dann unter Aussendung von Photonen einer bestimmte Wellenlänge (= Farbe), was das charakteristische Eigenleuchten der Emissionsnebel verursacht. Emissionsnebel zeichnen sich in der Regel durch purpurrotes Licht (vom ionisierten Wasserstoff) und bläuliches Licht (vom ionisierten Sauerstoff) aus. Bei Reflexionsnebeln sind die Sterne in der Nähe nicht heiß genug, um diese zu ionisieren, sodass kein Eigenleuchten der Nebel zustandekommt. Stattdessen wird das Sternenlicht an den mikroskopischen Nebelpartikeln gestreut, wodurch der Nebel erst sichtbar wird. Reflexionsnebel sind in der Regel durch eine blaue Farbe gekennzeichnet, da blaues Licht stärker gestreut wird als rotes (auf ähnliche Weise entsteht die Farbe des Himmels).
IC 434 (Pferdekopfnebel + Flammennebel)
Maksutov-Newton, 10.5 Stunden

Der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion ist ca. 1500 Lichtjahre entfernt. Im Bild oben sieht man den purpurrot leuchtenden Wasserstoff hinter einem 'Vorhang' aus dichtem molekularem Gas und Staub. Die meisten UV-emittierenden Sterne befinden sich dahinter, sodaß das purpurrote Licht indirekt durch Reflexion zu sehen ist. Unten links erkennen wir ein Gemisch aus absorbierendem Staub und emittierendem Gas.

Rosettennebel mit Sternhaufen NGC 2244
Evostar 72, 4.5 Stunden

Auf den dänischen Astrophysiker Bengt Strömgren (1908 - 1987) geht der Begriff der 'Strömgren-Sphäre' zurück. Es handelt sich hier um annähernd kugelförmige Gasnebel, deren Gas (hauptsächlich Wasserstoff) von einem zentralen Sternhaufen zum Leuchten angeregt werden. Dabei ionisiert die sehr intensive UV-Strahlung von Sternen mit sehr hohen Oberflächentemperaturen das sie umgebende Gas. Die Strömgren-Sphäre ist durch einen relativ abrupten Rand charakterisiert: dort ist die ionisierende Strahlung aufgebraucht. Aus der Größe dieses Gebiets läßt sich abschätzen, wieviele Sterne bestimmter Oberflächentemperatur als 'Täter' benötigt werden. Wenn die bei der Ionisation herausgeschlagenen Elektronen wieder mit dem Atomkern rekombinieren, wird eine charakteristische Strahlung ausgesendet, die man nur bei ganz bestimmten Wellenlängen sieht. Am intensivsten ist hier die sog. Hα-Strahlung bei einer Wellenlänge von 6563 Å (656 Nanometer). Sie ist von purpurroter Farbe.
Das sieht man sehr schön im vorliegenden Bild. Der Rosetten-Nebel ist eine klassische Strömgrensphäre mit einem Durchmasser von ca. 130 Lichtjahren, die wir im Abstand von etwa 5000 Lichtjahren im Sternbild Einhorn sehen. Die sehr hellen Sterne im Zentralbereich sind hier die 'Täter'.

Rosettennebel mit Sternhaufen NGC 2244
Maksutov-Newton, 7.3 Stunden

Für mein Maksutov-Newton-Teleskop mit Kamera ist der Rosettennebel etwas zu groß ist, er ragt noch um Einiges über das hier gezeigte Feld hinaus (s.o.)! Man sieht hier aber recht gut, daß die direkte Umgebung der ionisierenden Sterne in seinem Zentrum dunkler ist - dort hat der Strahlungsdruck der neu gebildeten Sterne das sie umgebende Gas weggeblasen.

Orionnebel M 42 (NGC 1976)
Maksutov-Newton, 46 Minuten

Der Orionnebel, Prototyp eines Emissionsnebels, ist 1350 Lichtjahre entfernt. Er und sein Sternbild begleiten uns den ganzen Winter über. Der Orion-Nebel ist bereits mit dem bloßen Auge erkennbar und bietet in einem guten Feldstecher einen faszinierenden Anblick. In seinem Zentrum, hier überbelichtet, befinden sich die sog. Trapezsterne. Sie sind trapezförmig angeordnet und ionisieren das umgebende Gas über eine große Distanz.

Adlernebel M 16 (IC 4703)
Maksutov-Newton, 78 Minuten

Der Adlernebel ist ebenfalls ein großes, 7000 Lichtjahre entferntes Sternentstehungsgebiet. Durch ein mit dem Hubbleweltraumteleskop aufgenommenes Foto wurde gelangte dieser Nebel zu großer Bekanntheit: in seinem Zentrum zeigen sich die Pillars of Creation, die man auch hier im Bild erkennen kann - sie 'hängen hier nach unten'.

Blasennebel NGC 7635
Maksutov-Newton, 2.4 Stunden

Der Blasen-Nebel ist ca. 7000 Lichtjahre entfernt. Hier wird durch einen Sternwind eine Gasblase erzeugt. Der Stern stößt große Mengen an Gas aus, die sich mit rund 28 km/s in die Umgebung ausbreiten. Dabei trifft das expandierende Gas auf die umgebende Molekülwolke. Dadurch bildet sich eine Stoßwelle aus, welche die äußere Hülle der Gasblase bildet.

Maksutov-Newton, Crescent-Nebel NGC 6888
8.1 Stunden

Der 4700 Lichtjahre entfernte Crescent-Nebel ist das Resultat des extrem starken Sternwindes des sehr massereichen Wolf-Rayet-Sterns WR 136, der sich nahe dem Zentrum des Nebels befindet. Durch den extremen Strahlungsdruck des Wolf-Rayet-Sterns wird das abgestoßene Gas auf hohe (4000 km/s) Expansionsgeschwindigkeiten beschleunigt.

Herz-Nebel (IC 1805)
Maksutov-Newton , 8.2 Stunden

IC 1805 ist ein 7500 Lj entfernter Emissionsnebel im Sternbild Cassiopeia. Ein zentraler Sternhaufen ionisiert das Gas in der Umgebung. Eine auffällige herzförimge Struktur ist das Licht des ionisierten Wasserstoffgases, unterbrochen von dunklen Zonen, in denen der interstellare Staub das Sternenlicht aborbiert. 

Herz-Nebel (IC 1805)
Maksutov-Newton, 5.2 Stunden

Seelen-Nebel (IC 1848)
Evostar 72, 5.0 Stunden

IC 1848 ist ebenfalls ein 7500 Lj entfernter Emissionsnebel im Sternbild Cassiopeia. Wiederum inonisiert ein Sternhaufen das Gas in der Umgebung. Auffällig ist wiederum das purpurrote Licht des ionisierten Wasserstoffgases mit dunklen Einschnitten, in denen der interstellare Staub das Sternenlicht aborbiert. Aufnahme mit Skywatcher Teleskop Evostar 72 mm f/6 ED Apo.

Seelen-Nebel (IC 1848)
Maksutov-Newton , 3.0 Stunden